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Entries tagged as ‘Berlin’

Ein Heim für Obama

Juli 14, 2008 · Keine Kommentare

Heute morgen drängte mich auf meinem Fahrrad eine dieser Polizeieskorten von der Straße ab. Ich hielt schnell an der Seite und blickte auf die vorbeiziehenden Motorräder.

Zwei fahren immer ganz schnell vorweg, um die nächste Kreuzung zu blockieren und wie Kinder zu gucken, ob die Luft rein ist. Dann folgen große, dunkle Autos mit getönten Scheiben. Da drin sitzen Politiker und so.

Diesmal haben sie mich und mein Fahrrad am Gendarmenmarkt getroffen. Nachdem sie sicher sein konnten, dass auch hier die Luft rein ist, blieben die dunklen Autos etwa auf der Höhe der Mitte des Platzes stehen.

Natürlich weiß ich nicht, wer in diesen Autos gesessen hat. Aber in meinen Gedanken war alles klar: Barack Obamas Beraterstab besucht schließlich heute die Stadt, um nach dem passenden Ort für seine Rede am 24. Juli zu suchen.

Ich stieg wieder auf mein Fahrrad und war im Gedanken aber doch ganz nah bei dem US-Demokraten. Ich blickte aus einem der dunklen Autos auf den Gendarmenmarkt und sagte abweisend zu meinen Kollegen auf der Rückbank: “Zu klein für Barack, zu unbekannt und vor allem zu alte Gebäude. Also: zu wenig Change-Gefühl”.

Zwei Minuten später, reale Zeit. Angekommen in der Humboldt-Universität entdeckte ich dann überraschend den richtigen Platz. Hierher sollten die dunklen Autos vielleicht kommen. Ein Platz, um vor der Diskussion um das Brandenburger Tor zu fliehen. Hier, im Foyer der Humboldt-Uni, steht der “change”, das Handeln, mit dem Obama um sich wirbt, förmlich an der Wand: “Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.”

Eigentlich ein passender Spruch für Obama. Man sollte den Menschen in den dunklen Autos aber wohl nicht sagen, dass unter dem Zitat der Name “Karl Marx” steht.

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Der Loser

Juli 4, 2008 · Keine Kommentare

Die Blicke in Berlin sind heute auf die Mitte gerichtet. Dort wo sich Ost und West treffen, am Pariser Platz, öffnet die neue US-Botschaft.

Ein guter Anlass, um hier auf den vermeindlichen Verlierer zu schauen. Ganz im Sinne des US-Journalisten Gay Talese. Dieser wollte schreiben über “the overlooked nonnewsworthy population that is everywhere, but rarely taken into account by journalists and other chroniclers of reality”.

Blicken wir also auf die alte US-Botschaft (auf dem Foto links) in der Neustädtischen Kirchstraße, nur wenige Häuserblocks entfernt.

Dicke Betonpoller, rot-weiße Absperrgitter - seit Jahren waren die Straßen rund um die Botschaft für Autos gesperrt. Damit war ein Stück aus dem Herzen der Stadt gerissen. Während Unter den Linden und in der Friedrichstraße der Strom der Menschen zunahm und die Häuser herausgeputzt wurden, nahm das Leben bis an die Absperrungen ran eine Auszeit.

Gestern waren die Polizisten auf den Straßen schon fast verschwunden. Das Wachhäuschen vor der Botschaft war leer. Die Absperrungen standen noch. Die Poller waren an die Seite geräumt.

Der Häuserblock kehrt ins Leben zurück. Und was machen Berliner, wenn ein Sperre verschwindet? Ab 1989 klopften Mauerspechte Steine aus der Berliner Mauer und steckten sie ein. Gestern füllten einige sich erstmal den Sand aus den Absperrpollern in Plastiktüten. Vielleicht mögen Berliner Andenken an unliebsame Blockaden.

Kategorien: Geographie · Medien · Politik
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Was die Besten aufgeschrieben haben

Mai 14, 2008 · Keine Kommentare

Die Henri-Nannen-Preise sind verliehen worden.

Hier die Preisträger der diesjährigen Verleihung am vergangenen Wochenende.
Und hier noch weitere Nominierungen.

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Die Sonne und Du, lieber Herr Stress

Mai 14, 2008 · Keine Kommentare

Für Papierkram bringe ich momentan nur Verachtung auf. Mein Studium ist endlich abgeschlossen, die Sonne geht nur noch unter, um am nächsten Tag noch kräftiger über Berlin zu scheinen, und meine Gedanken sind nicht nur frei, sondern sorglos.

Und dennoch: Washington wartet. Es heißt, diese Stadt riecht, atmet und schmeckt Politik und Medien. So jedenfalls Reiseführer, die von der “Financial Times” empfohlen werden.

Für mich wird es zunächst aber weniger Geschmacksfeuerwerke geben. Mein Visum will beantragt werden, meine Wohnung gesucht werden, mein Englisch getrimmt und mein Stundenplan vollgepackt werden. Und das bleibt zum Glück an mir hängen. Endlich freiwilliger Organisationsstress.

Die Sonne und Du, lieber Herr Stress, gehören auch zum Sommer dazu.

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Das New York der 80er atmet kurz vor Kiew

März 31, 2008 · Keine Kommentare

Schnell ein nicht nur kurzes, sondern auch sehr leichtes Quiz:
Welche deutsche Stadt ist wie New York in den 80ern?

Und hier noch ein weiterer Hinweis, für die Jungs in der letzten Reihe:
Diesmal spricht der Regierende Bürgermeister von seiner Stadt:
“arm, aber sexy”.

Schluss damit. Der Blick aus Deutschland auf Berlin ist spätestens seit den bald wohl monatlichen Spiegel-Titel-Geschichten über das Comeback der Spree-Metropole geschärft.

Hier ein kurzer Film über die Expatriates im N.Y. der 80er, ähnlich heute in Berlin-Mitte zu sehen:

Jetzt aber schaut die N.Y.-Times in ihrem Reise-Magazin (”German Expressionism“) von außen auf die Stadt, und zwar mit der Brille der etwa 13.000 Amerikanern in der Stadt.

Mit einem Wort in dem Artikel können Berliner zunächst wohl nichts anfangen. “Expatriates” steht da immer wieder. Das sind so etwas wie beruflich bedingte Migranten. Aber weil wir hier nicht in Frankfurt, Hamburg oder München sind, tragen die beruflichen Aussiedler hier keine Anzüge und Krawatten, sondern meist Pinsel oder Gitarre - und erinnern wenig an White-Collar-Worker, aber stark an die wirtschaftliche Schwäche der Hauptstadt.

Da sind wir wieder bei Wowereits Motto für die Stadt. Und tatsächlich gibt auch der Artikel dem Mann aus dem Roten Rathaus Recht. Nach den Gründen für ihr Kommen befragt, nennt die kreative Klasse: politische Gründe, weil sie weg von Bush wollen; monetäre Gründe, weil sie sich hier einen nicht geahnten Lebensstandard leisten können; wirtschaftliche Gründe, weil Raum für Ateliers und Studios hier günstiger sei. Oder doch musischer und metaphorisch: “I had to get away from Miss Amerikka. Her cities are turning into malls.”

Aber am Ende siegt dann doch wieder der Trieb: Acht von zehn seien einfach deshalb hier, weil sie einen deutschen Partner gefunden hätten - also Liebe und Freiheit.

Und die freie Liebe der Stadt scheint mächtig: “Usually the relationship doesn’t last, but they stay anyway, because they have fallen in love with the city.” In Wowereits Worten: Berlin ist so sexy, dass sie sogar die Liebespaare entreisst.

Doch diesem Berlin mit seinem freien Leben droht das Ende.

Zum einen, weil jeder gute, aber auch jeder schlechte Künstler sich hier ein Leben leisten könne - oder wie der Besitzer der 8mm-Bar in der Schönhauser Allee die resultierende Anforderung ausdrückt: “So the test here is being able to live up to the creative standards you’ve set for yourself.”

Oder wie Ron Rineck, seit 1999 in Berlin, Karaoke-Bar-Betreiber mit unternehmerischer Angst vor dem langsam doch durchgedrücktem Rauchverbot sagt: Wenn dies noch strikter werde, werde er der Stadt seinen Rücken zukehren.

Rineck: “I hear Kiev is nice.”

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Elite gefühlt

Februar 10, 2008 · 1 Kommentar

Wie man als Nachwuchsjournalistin Recherche-Qualität und Publikumserfolg verbinden kann, hat Julia Friedrichs bereits als Studentin bei ihrer viel beachteten Undercover-Reportage bei McKinsey gezeigt.

Jetzt erscheint ihr Buch “Gestatten Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen” für das die heutige WDR-Journalistin freie Autorin Unis, Schulen und Kindergärten der Elite besuchte.

In Berlin liest sie am 19. Februar, 20.00 Uhr, im Festsaal Kreuzberg, aus dem Buch. Eintritt 5 Euro

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Mitte hält schlank

Februar 5, 2008 · Keine Kommentare

Eines muss ich gleich zugeben: Ich wohne sehr gern in der Mitte meiner Stadt. Mein liebster Grund als Geograph lautet: Fettleibigkeit. Oder besser vielleicht: der Schutz davor, weil ich wohne, wo ich wohne.

Denn gesunde Schulspeistung oder Große Pausen bei Burgerketten, bildungsnah oder bildungsfern, hin oder her: Die Lage des Wohnortes entscheidet mit über die Anzahl der Pfunde. Mein Glück als Bewohner der Stadtmitte: Wer im so genannten Speckgürtel wohnt - nun ja: ist eben speckiger. Über diesen Zusammenhang hat die “Washington Post” bereits vor einigen Jahren berichtet.

Der Grund: Laut einer Umfrage des “Buckeye Institute for Public Solutions” unter 200.000 Menschen in 448 Landkreisen der USA legen die Einwohner von entfernt liegenden Gegenden weniger Strecken zu Fuß zurück. Als Folge wiegen sie im Durchschnitt 6 Pfund mehr.

Eine Verbindung besteht dabei auch zum urban sprawl, der räumlichen Zersplitterung und Ausdehnung der Städte. Je stärker Städte expandieren, desto weniger gehen die Bewohner in ihrer Freizeit zu Fuß.

Welche Erkenntnis aus dieser Studie zu ziehen sind? Der Lebensstil hängt zum Teil mit der Wohnform zusammen. Mehr nicht? Mehr nicht.

Kategorien: Geographie
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