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Ein Jahr Studieren oder 400 mal Berlin-Hamburg

März 12, 2008 · Keine Kommentare

Über Geld redet man nicht vor anderen Leuten. So hat es mir mein Vater beigebracht. Also lasse ich das und versuche mich mal lieber an einer kleinen Umrechnung.

Es geht dabei um mein akademisches Jahr in den USA. Jetzt, nachdem mein Stipendium kurz vor der Vertragsunterzeichnung steht, nachdem mittlerweile auch die Universität ihr Ok gegeben hat, jetzt gilt es, meinen Anteil der Finanzierung sicherzustellen - to certify, wie es da heißt. Bis Ende März.

Mit meinem Stipendium bin ich sehr zufrieden. Es wird über die Hälfte der Kosten tragen. Der Rest bleibt für mich. Ich muss noch eine Summe nachweisen, für die ich - um in den Worten meines Vaters zu bleiben - in meiner Berliner Wohnung 50 Monate leben könnte. Oder 400 mal mit der Bahn von Berlin nach Hamburg fahren.

50 Monate Wohnen, also über 4 Jahre. Dies soll ausreichen, um sich eine Vorstellung von meinem Anteil für ein Studium an einer privaten US-Universität zu machen. “Mein” Anteil? Nein, das Geld wird nicht von mir, sondern von meinen Eltern stammen. Ich habe es nämlich nicht.

Natürlich habe ich in den vergangenen Wochen die Berichte auf “Spiegel Online” oder in der “taz” über die Gebührenpläne an Universitäten wie Stanford, Yale oder Harvard aufmerksam gelesen: Kindern aus der Unterschicht sollen die Gebühren zum Teil ganz erlassen werden, und auch Zöglinge der Mittelschicht können noch mit ordentlichen Rabatten rechnen.

Die Gründe sind vielfältig: Besonders das mit den Jahren angehäufte Kapital dieser so genannten Elite-Unis sorgt bei mittlerweile immer mehr US-Bürgern für Kopfschütteln. Das Geld vermehrt sich und dennoch steigen die Gebühren. Bevor nun die Politik einen Hebel zum Ausgleich ansetzt, hoffen mehrere Unis durch ihre neuen Fördermaßnahmen auf eine Image-Wiedergutmachung. Das Signal soll lauten: Hier studiert nicht nur die Elite.

Auf die Mechanismen hinter den aktuellen politischen Kniffen hatte der Elite-Forscher Michael Hartmann 2006 im Magazin “Aus Politik und Zeitgeschichte” hingewiesen. Mit Zahlen unter anderem des CollegeBoards zeigt er dort, dass trotz solcher Unterstützungsprogramme “die wohlhabenden und reichen Familien dennoch am wenigsten belastet werden”.

Denn durch ihre hohen Einkommenszuwächse können sie die steigenden Kosten erst aufbringen. Für die Studierenden aus dem oberen Viertel belaufen sich die Kosten für einen vierjährigen Bachelor auf 11 Prozent des Familieneinkommens - beim unteren Viertel sind es durchschnittlich 25 Prozent. Zudem kommt eine stetige Verschiebung von einkommensabhängigen (need-based grants) zu leistungsabhängigen Stipendien (merit grants) dem Nachwuchs aus den oberen Schichten entgegen - weil diese bereits in den vorherigen Tests wie dem GRE oder SAT im Durchschnitt besser abschneiden.

Donald Asher hebt in seinem Ratgeber für die Bewerbung an Graduate-Schools einen Satz heraus:

“You cannot tell how much it will cost until you apply and are admitted.”

An der Uni, an die ich empfohlen wurde, gibt es für internationale Studenten keine Rabatte. Ich hatte alles durchgerechnet. Und habe mich dennoch um mehrere tausend Dollar geirrt. Recht hat er, Herr Asher.

Als ich meine Eltern dann gefragt habe, ob sie für mich mit einer solch hohen Summe bürgen könnten, da sagten sie gleich: “Kein Problem”. Sie ist Angestellte, er Arbeiter. Sie sprachen auch noch von der Lebensversicherung meines Vaters.

Eine Übersicht über voraussichtliche Kosten eine Studiums an einzelnen Unis in den USA gibt es hier.

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Elite gefühlt

Februar 10, 2008 · 1 Kommentar

Wie man als Nachwuchsjournalistin Recherche-Qualität und Publikumserfolg verbinden kann, hat Julia Friedrichs bereits als Studentin bei ihrer viel beachteten Undercover-Reportage bei McKinsey gezeigt.

Jetzt erscheint ihr Buch “Gestatten Elite: Auf den Spuren der Mächtigen von morgen” für das die heutige WDR-Journalistin freie Autorin Unis, Schulen und Kindergärten der Elite besuchte.

In Berlin liest sie am 19. Februar, 20.00 Uhr, im Festsaal Kreuzberg, aus dem Buch. Eintritt 5 Euro

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