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Das New York der 80er atmet kurz vor Kiew

März 31, 2008 · Keine Kommentare

Schnell ein nicht nur kurzes, sondern auch sehr leichtes Quiz:
Welche deutsche Stadt ist wie New York in den 80ern?

Und hier noch ein weiterer Hinweis, für die Jungs in der letzten Reihe:
Diesmal spricht der Regierende Bürgermeister von seiner Stadt:
“arm, aber sexy”.

Schluss damit. Der Blick aus Deutschland auf Berlin ist spätestens seit den bald wohl monatlichen Spiegel-Titel-Geschichten über das Comeback der Spree-Metropole geschärft.

Hier ein kurzer Film über die Expatriates im N.Y. der 80er, ähnlich heute in Berlin-Mitte zu sehen:

Jetzt aber schaut die N.Y.-Times in ihrem Reise-Magazin (”German Expressionism“) von außen auf die Stadt, und zwar mit der Brille der etwa 13.000 Amerikanern in der Stadt.

Mit einem Wort in dem Artikel können Berliner zunächst wohl nichts anfangen. “Expatriates” steht da immer wieder. Das sind so etwas wie beruflich bedingte Migranten. Aber weil wir hier nicht in Frankfurt, Hamburg oder München sind, tragen die beruflichen Aussiedler hier keine Anzüge und Krawatten, sondern meist Pinsel oder Gitarre - und erinnern wenig an White-Collar-Worker, aber stark an die wirtschaftliche Schwäche der Hauptstadt.

Da sind wir wieder bei Wowereits Motto für die Stadt. Und tatsächlich gibt auch der Artikel dem Mann aus dem Roten Rathaus Recht. Nach den Gründen für ihr Kommen befragt, nennt die kreative Klasse: politische Gründe, weil sie weg von Bush wollen; monetäre Gründe, weil sie sich hier einen nicht geahnten Lebensstandard leisten können; wirtschaftliche Gründe, weil Raum für Ateliers und Studios hier günstiger sei. Oder doch musischer und metaphorisch: “I had to get away from Miss Amerikka. Her cities are turning into malls.”

Aber am Ende siegt dann doch wieder der Trieb: Acht von zehn seien einfach deshalb hier, weil sie einen deutschen Partner gefunden hätten - also Liebe und Freiheit.

Und die freie Liebe der Stadt scheint mächtig: “Usually the relationship doesn’t last, but they stay anyway, because they have fallen in love with the city.” In Wowereits Worten: Berlin ist so sexy, dass sie sogar die Liebespaare entreisst.

Doch diesem Berlin mit seinem freien Leben droht das Ende.

Zum einen, weil jeder gute, aber auch jeder schlechte Künstler sich hier ein Leben leisten könne - oder wie der Besitzer der 8mm-Bar in der Schönhauser Allee die resultierende Anforderung ausdrückt: “So the test here is being able to live up to the creative standards you’ve set for yourself.”

Oder wie Ron Rineck, seit 1999 in Berlin, Karaoke-Bar-Betreiber mit unternehmerischer Angst vor dem langsam doch durchgedrücktem Rauchverbot sagt: Wenn dies noch strikter werde, werde er der Stadt seinen Rücken zukehren.

Rineck: “I hear Kiev is nice.”

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Mitte hält schlank

Februar 5, 2008 · Keine Kommentare

Eines muss ich gleich zugeben: Ich wohne sehr gern in der Mitte meiner Stadt. Mein liebster Grund als Geograph lautet: Fettleibigkeit. Oder besser vielleicht: der Schutz davor, weil ich wohne, wo ich wohne.

Denn gesunde Schulspeistung oder Große Pausen bei Burgerketten, bildungsnah oder bildungsfern, hin oder her: Die Lage des Wohnortes entscheidet mit über die Anzahl der Pfunde. Mein Glück als Bewohner der Stadtmitte: Wer im so genannten Speckgürtel wohnt - nun ja: ist eben speckiger. Über diesen Zusammenhang hat die “Washington Post” bereits vor einigen Jahren berichtet.

Der Grund: Laut einer Umfrage des “Buckeye Institute for Public Solutions” unter 200.000 Menschen in 448 Landkreisen der USA legen die Einwohner von entfernt liegenden Gegenden weniger Strecken zu Fuß zurück. Als Folge wiegen sie im Durchschnitt 6 Pfund mehr.

Eine Verbindung besteht dabei auch zum urban sprawl, der räumlichen Zersplitterung und Ausdehnung der Städte. Je stärker Städte expandieren, desto weniger gehen die Bewohner in ihrer Freizeit zu Fuß.

Welche Erkenntnis aus dieser Studie zu ziehen sind? Der Lebensstil hängt zum Teil mit der Wohnform zusammen. Mehr nicht? Mehr nicht.

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