Im Anzug dribbelt Barack Obama einen Basketball auf einem kleinen Fetzen Asphalt. Im Hintergrund die weite Leere des Mittleren Westen.
Nächstes Bild: John McCain bei einem Town Hall Meeting in Houston. Mit starrem Blick. Wie ein Großvater, dem seine Kinder keine Fragen mehr stellen, obwohl er doch die meiste Lebenserfahrung hat.
Wahlkampf ist Arbeit. Wahlkampf sind die Fotos dieser Arbeit. Wahlkampf ist für Politiker das Ringen um das eigene Bild in der Öffentlichkeit.
Und vor allem ist Wahlkampf alles andere als Photoshop. Kein Retuschieren. Die Fotografen halten immer und überall drauf - und warten auf die Momente, in denen den Kandidaten einmal die Selbstkontrolle verloren geht.
Entstanden ist im Vorfeld der diesjährigen Wahlen ein fotographischer Katalog Amerikas. Die Höhepunkte hat am vergangenen Sonntag die “Washington Post” in ihrem Magazin gezeigt.
Auf dem letzten Bild dann ein müder Barack Obama. Zusammengeknickt im Ledersessel, das rechte Bein hochgelegt. Die Augen in Richtung des Fotografen. Für Post-Redakteur Achenbach auch ein Blick, der um die Macht der Bilderauswahl weiß: “He’s looking nearly directly at us. Wondering what we’re going to decide.”
Schnell ein nicht nur kurzes, sondern auch sehr leichtes Quiz:
Welche deutsche Stadt ist wie New York in den 80ern?
Und hier noch ein weiterer Hinweis, für die Jungs in der letzten Reihe:
Diesmal spricht der Regierende Bürgermeister von seiner Stadt:
“arm, aber sexy”.
Schluss damit. Der Blick aus Deutschland auf Berlin ist spätestens seit den bald wohl monatlichen Spiegel-Titel-Geschichten über das Comeback der Spree-Metropole geschärft.
Hier ein kurzer Film über die Expatriates im N.Y. der 80er, ähnlich heute in Berlin-Mitte zu sehen:
Jetzt aber schaut die N.Y.-Times in ihrem Reise-Magazin (”German Expressionism“) von außen auf die Stadt, und zwar mit der Brille der etwa 13.000 Amerikanern in der Stadt.
Mit einem Wort in dem Artikel können Berliner zunächst wohl nichts anfangen. “Expatriates” steht da immer wieder. Das sind so etwas wie beruflich bedingte Migranten. Aber weil wir hier nicht in Frankfurt, Hamburg oder München sind, tragen die beruflichen Aussiedler hier keine Anzüge und Krawatten, sondern meist Pinsel oder Gitarre - und erinnern wenig an White-Collar-Worker, aber stark an die wirtschaftliche Schwäche der Hauptstadt.
Da sind wir wieder bei Wowereits Motto für die Stadt. Und tatsächlich gibt auch der Artikel dem Mann aus dem Roten Rathaus Recht. Nach den Gründen für ihr Kommen befragt, nennt die kreative Klasse: politische Gründe, weil sie weg von Bush wollen; monetäre Gründe, weil sie sich hier einen nicht geahnten Lebensstandard leisten können; wirtschaftliche Gründe, weil Raum für Ateliers und Studios hier günstiger sei. Oder doch musischer und metaphorisch: “I had to get away from Miss Amerikka. Her cities are turning into malls.”
Aber am Ende siegt dann doch wieder der Trieb: Acht von zehn seien einfach deshalb hier, weil sie einen deutschen Partner gefunden hätten - also Liebe und Freiheit.
Und die freie Liebe der Stadt scheint mächtig: “Usually the relationship doesn’t last, but they stay anyway, because they have fallen in love with the city.” In Wowereits Worten: Berlin ist so sexy, dass sie sogar die Liebespaare entreisst.
Doch diesem Berlin mit seinem freien Leben droht das Ende.
Zum einen, weil jeder gute, aber auch jeder schlechte Künstler sich hier ein Leben leisten könne - oder wie der Besitzer der 8mm-Bar in der Schönhauser Allee die resultierende Anforderung ausdrückt: “So the test here is being able to live up to the creative standards you’ve set for yourself.”
Oder wie Ron Rineck, seit 1999 in Berlin, Karaoke-Bar-Betreiber mit unternehmerischer Angst vor dem langsam doch durchgedrücktem Rauchverbot sagt: Wenn dies noch strikter werde, werde er der Stadt seinen Rücken zukehren.
John McCain und seine Stunden mit einer Lobbyistin - aus dem Bericht in der NY-Times über die angebliche Beziehung der beiden wurde eine Diskussion über den Artikel:
Warum erschien er gerade jetzt? Warum durfte er überhaupt erscheinen? Warum sollte er nicht erscheinen? Warum kehrten frustierte Reporter deshalb der NY-Times den Rücken?
Das Tagebuch aus der Redaktion der NY-Times beschreibt den Zwist. Veröffentlicht vom “New Republic” als “The Long Run-Up” von Gabriel Sherman - der dann verschiedenen Berichten zufolge auch für das Erscheinen des Times-Artikels verantwortlich war.
Nur noch wenige Monate. Dann werde ich voraussichtlich importiert. Und zwar vom Bildungssystem der USA. Doch keine Sorge: Das ist meine Absicht.
Und das ist der traditionelle Weg. Aus der ganzen Welt und vor allem aus Asien strömen die Studenten in die USA. Doch mittlerweile ändert sich das Bild: Immer mehr US-Unis eröffnen weltweit Dependancen. Bildung made in USA als Exportfaktor, wie die N.Y.-Times heute berichtet. Der Präsident der New York University wird sogar zum globalen Bildungspendler.
Im Jahr 2010 will die Universität aus dem Zentrum Manhattans ein Standbein in der Wüste der Vereinigten Arabischen Emirate eröffnen. John Sexton, Präsident der Universität, wird bereits ab dem kommenden Herbst Kurse in Abu Dhabi geben - und zwar jeden Sonntag. Dafür nimmt er freitags in N.Y. im Flieger Platz, landet einen Tag später am Golf und öffnet am Montag wieder sein Büro in der Heimat.
Der Mittlere Osten steht im Zentrum des amerikanischen Bildungssprungs. In Quatar können Studenten bereits frei von kulturellen Schocks oder Visa-Probleme das US-Bildungssystem erfahren. Beispiele sind das Weill Medical College der Cornell University, Politik der Georgetown oder auch Journalismus an der Northwestern - eines der besten Programme der USA.
Den Hintergrund bildet der Umbau vieler Unis zu so genannten “global universities”. Beim Übergang zur Wissensgesellschaft wird Bildung zur Ressource für Wirtschaftswachstum. Und dafür sollen weltweit dei besten Köpfe gefunden werden.
Und zwar für die eigene, meist private Uni. Traditionelle Partnerschaften zwischen Unis in den Bereichen Forschung und Lehre oder Austauschprogramme sind dabei immer mehr von gestern. Heute zählt die direkte Bindung des Nachwuchses unter dem eigenen Dach.
Die Internationalisierung ruft aber auch Kritik hervor. Werden die Programme im Ausland auch amerikanische Werte und Kultur repräsentieren? Werden am Ende gar US-Steuerzahler für die Kosten herhalten? Was passiert, wenn die politischen Beziehungen zum anderen Land frostiger werden? Und: Wird sich Amerikas Volkswirtschaft durch die Ausbildung auf fremden Märkten im späteren Wettbewerb selbst schädigen?
Doch die Zweifel stehen momentan im Hintergrund. Die Amerikaner erforschen eher mit leichtem Goldrausch den Bildungsglobus. Rückschläge durch lokale Vorschriften oder Behörden zum Beispiel in Akkreditierungsfragen können den Entdeckungsdrang dabei kaum aufhalten. Oder wie der Artikel Dawood Farahi, den Präsidenten der Kean University mit Expansionsplänen in China, zitiert: “I’m Lewis and Clark looking for the Northwest Passage.”
Und wo ich es gerade lese: Der “Spiegel” berichtet in seiner aktuellen Ausgabe über eine deutsche Uni und ihre Bauprojekte im Mittleren Osten. Die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen richtet demnach in der omanischen Hauptstadt Maskat eine Zweigstelle für 2000 Studenten ein.
"Amerikaner lieben es, über sich selbst zu reden. Je weniger sie wissen, desto mehr wollen sie diskutieren." (Ken Layne von Wonkette im "Spiegel" auf die Frage, warum Blogs in Amerika so beliebt sind)