Drei Wörter reichen ihm gewöhnlich, um seinen Ruf als Reporter-Legende weiter zu festigen:
“Let’s face it.”
Das sagt Wolf Blitzer, CNN-Chefredakteur, wenn es kompliziert wird:
Egal ob Hurricane Katrina oder die lange Suche nach Massenvernichtungswaffen im Irak.
Blitzer spricht seine Worte in die Kamera, nennt kurz die wichtigen Fakten, dreht sich weg und bittet seine Gesprächspartner um Einordnung.
So läuft CNN seit Jahren.
Neben Blitzer hat CNN seit diesem Vorwahlkampf aber einen neuen Protagonisten:
drei Meter breit, stumm, aber sehr interaktiv - der ”Magic Wall”, ein Touch-Screen für Landkarten, Webseiten und Satellitenbilder, den “Spiegel Online” in einem Hintergrundbericht präsentiert.
Eine magische Zahl in den Nachrichten lautet derzeit: 12. Die einen werfen sich ordentlich ins Zeug gegen sie. Andere umarmen alles, was mit ihr gekommen ist.
Der Schlagabtausch findet im Bildungslager statt: Ist die Einführung des Abiturs nach 12 Jahren richtig? Oder soll man das Lenkrad einschlagen und zurückkehren zu 13 Lehrjahren?
Wodurch die Auseinandersetzung besticht: die Schwarz-Weiß-Malerei der Experten. Was sich die Journalisten vorwerfen können: dass sie Probleme nur selten suchen und das Grau der Realität nur selten ansprechen.
Als neuer Public Editor der National Education Writers Association (EWA, die auch einen Blog zur Bildungspolitik der US-Präsidentschaftsanwärter anbietet) wird die ehemalige Redakteurin der “Washington Post” Reporter in Seminaren schulen, ihre Recherchefähigkeiten nach Quellen und Experten dabei steigern und für die Arbeit im Newsroom vorbereiten.
Die Umbrüche im US-Bildungssystem können mit denen der deutschen Bildungslandschaft durchaus verglichen werden: Vor allem Kosten werden eingespart. Als Folge muss das Leistungspensum von Direktoren, Lehrern und Schülern anziehen.
Wenig oder keine Zeit bleibt für Anfragen von Reportern. Und wenn doch einmal, so werden ganze Schulen und Klassen für den Besuch herausgeputzt. Schließlich steht die nächste Evaluation immer bereits vor der Tür.
Wer dann immer noch hart Recherchieren will, wird meist vom eigenen vollen Terminkalender gestoppt. Denn meist muss ein Reporter heute für zwei Arbeiten. Die Konsequenz: In der Hektik vor der Deadline greift man zum Hörer und telefoniert seine Experten ab, die altbewährten und verlässlichen Pro- und Contra-Sager. Doch guter Bildungs-Journalismus sollte anders aussehen. Perlstein: “It’s so easy to go the obvious arguments, but the best education reporting transcends that.”Und so kann man es laut Perlstein machen: Viele Kontakte und Quellen suchen und halten, besonders in die Klassenräume und in die Politik - so könne man nicht nur nacherzählen, sondern das Leben zwischen Tafel und berüchtigter letzter Stuhlreihe beschreiben. Aber vor allem müssen man den Geschichten nicht nachlaufen. Man antizipiere sie.
"Amerikaner lieben es, über sich selbst zu reden. Je weniger sie wissen, desto mehr wollen sie diskutieren." (Ken Layne von Wonkette im "Spiegel" auf die Frage, warum Blogs in Amerika so beliebt sind)